Oper

Mario und der
Zauberer

OpernKurzgenuss

Stephen Oliver

Oper in einem Akt ~ Libretto von Stephen Oliver nach der Erzählung von Thomas Mann.
Deutsch von Manfred Weiß


Content

Es war ein Erlebnis in „atmosphärisch unangenehmer Stimmung“, das den Nobelpreisträger Thomas Mann zu seiner Novelle „Mario und der Zauberer – Ein tragisches Reiseerlebnis“ inspiriert hat: Der Zauberer Cipolla findet sich an heißem Sommerabend in einem Ferienort ein, um im Rahmen seiner Zaubershow die Besucher nicht nur durch allerlei Zaubertricks zu verblüffen, sondern auch deren geheime Wünsche und Sehnsüchte offenzulegen und lächerlich zu machen. In der aufgeheizten Stimmung brechen Aggressionen hervor, die nicht mehr unter Kontrolle zu bringen sind. In seiner rund achtzigminütigen Kammeroper (1988) führt Stephen Oliver mit einem neunköpfigen Orchester in theatralischer Direktheit vor Augen, wie schnell der Mensch durch Suggestion und Manipulation zum Mitläufer wird. Nach Aufführungen in Stuttgart und Dresden kommt nun „Mario und der Zauberer“ auf der Studiobühne der Oper Graz zur österreichischen Erstaufführung.

 

Empfohlen ab 16 Jahren

Besetzung

Pressestimmen

Packend vertonte Weltliteratur
„(…) Auch in Dresden war es eine Kooperation zwischen der Semper- Oper und der Dresdner Musikhochschule – und vor allem verkörpert der Bariton Markus Butter hier in Graz ebenso wie vor sieben Jahren in Dresden die zentrale Rolle des Zauberers Cipolla. Man kann annehmen, dass es wohl auch sein Wunsch gewesen sein wird, sich in dieser Partie neuerlich zu präsentieren. Und allein wegen Butters maßstabsetzender Interpretation der effektvollen Titelfigur lohnt es sich unbedingt, diese Aufführung zu besuchen. Als schmierigherabgekommener Gaukler zieht er mit exzellenter Wortdeutlichkeit, souveräner Stimmführung und intensivem Spiel alle in seinen Bann – die handelnden Personen ebenso wie das Publikum, das immer wieder in seine Aktionen einbezogen wird.(…) 
Neben dem dominierenden und schon gewürdigten Markus Butter bewähren sich die jungen Mitglieder des Grazer Opernensembles und die Studierenden durchaus: vor allem Sonja Šarić als dominante Signora Angiolieri, Andrea Purtić als elegant-verzweifelte Mutter und Mario Lerchenberger als bieder-gefährlicher Bürgermeister – alle mit erfreulich prägnanter Wortdeutlichkeit, an der Albert Memeti und Valentino Blasina noch zu arbeiten haben. Der Schauspielstudent Romain Clavareau war eine ideale
Besetzung für die kleine, aber wichtige Rolle des Kellners Mario. Marcus Merkel – trotz seiner erst 27 Jahre bereits vielfältig erprobter Dirigent – hielt das zehnköpfige Instrumentalensemble aus Studierenden mit sicherer Hand und energisch-klaren Gesten zusammen.(…)“. (Der Opernfreund)

Kind, Kuss und die Katastrophe
„Die Kurzoper ‚Mario und der Zauberer‘ nach Thomas Manns Vorlage dünstet düster bedrohliches Aroma aus.
(…) Grandios verkörpert Bariton Markus Butter nach der Dresdner Semper 2 in Graz den abgerissenen Zauberer als Monster des „zivilisierten Europas“: ein trickreicher Verführer, Magier des Unterbewussten und Gefügigmachens, vom Stampfen zum Marschieren. Bedrohlicher Opern-Kurz(un)genuss mit applausgelähmtem, verdattertem Premierenpublikum.“ (Kleine Zeitung)

Von Verführung und Gehorsam
“ (…) Es ist ein gefährliches Spiel mit doppeltem Boden, das uns Christian Thausing in seiner Inszenierung zeigt: Die Bühne samt Zuschauerrängen ist zur dreckigen Manege umgebaut, unversehens verschwimmt die Grenze zwischen Opernpublikum und den Zusehern der fiktiven Zaubershow. Spätestens als „Cipolla“ Mark Butter in einer effektvollen Mischung aus Larmoyanz und Größenwahn
beginnt, mit denHörern „echte“ Zaubertricks aufzuführen, ist man selbst Teil der Suggestion.
Während das KUG-Kammerorchester unter Marcus Merkel durch einen packenden Mix aus verfremdeten Zirkussounds, übersinnlichen Klangwolken und dunklen Geräuschen überzeugt, zeigt das Sängerensemble in gekonnten Vokal- Einwürfen die Aufregung der durch Cipolla bloß gestellten Dorfgemeinschaft. So stellt die Produktion unangenehm aktuelle Fragen nach Verführung, Gehorsam
und Willensfreiheit.“ (Kronen Zeitung)

 

“ (…) Die Anfangsszenen spielen sich an unterschiedlichen Orten des Raumes der Studiobühne ab, der sich im Tiefparterre befindet. Erst als der Zauberer selbst auftritt, konzentriert sich das Geschehen auf die Raummitte. Das tut vor allem der Verständlichkeit des Librettos gut, das zu Beginn von einigen Plätzen aus schwerer zu verstehen war. Das Publikum ist selbst Teil der Zaubervorstellung, bei der es weniger um Tricks, sondern vielmehr um eine Machtdemonstration des alten Cipolla und um Willensmanipulationen geht. (…)
Es ist ein zutiefst negatives Menschenbild, das in diesem Werk aufgezeigt wird. Nicht nur, dass Recht und Ordnung vor Menschlichkeit stehen. Auch die vermittelte Erkenntnis, dass jeder und jede von uns verführbar sind, wird er oder sie nur geschickt manipuliert, wirft eine dunkle Schattenseite auf unsere Gesellschaft. (…) In einer höchst gelungenen Besetzung stehen Sonja Saric als Signora Angiolieri und Andrea Purtic als Mutter Seite an Seite den politisch verblendeten Männern gegenüber. Valentino Blasina sprüht nur so vor Fremdenhass und stachelt den Bürgermeister, Mario Lerchenberger, mit seinen rhetorischen Giftspeilen zu einem unbotmäßigen Richterspruch auf. All diese Partien sind stimmlich perfekt ausgestattet und auch Mario, gesungen und gespielt von Romain Clavareau, fügt sich bestens in das Ensemble ein. Mit MArkus Butter wurde ein Cipolla besetzt, der ein Idealbild des alten Zauberers abgibt. Groß und breitschultrig, versteckt unter einer technisch perfekten Maske, die unglaublich abstoßend wirkt, durchbohrt er mit seinem scharfen Blick so manch eine Person aus dem Publikum. Die schwere Partie, die er zu singen hat, erscheint trotz aller Atonalität, die der Musik ihren charakteristisch- drängenden Charakter verleiht, für ihn völlig natürlich zu sein. Marcus Merkel leitet das Kammerorchester der KUG und wird dabei auf Bildschirme, die im Raum verteilt sind, übertragen. Auf diese Weise muss ihn das Ensemble nicht permanent im Auge haben, sondern hat die Möglichkeit, den jeweiligen Einsatz, egal von welchem Platz aus, gut angezeigt zu bekommen. Das verstörende Ende lässt das Publikum mit dem Gefühl zurück, Zeuge eines Vorganges gewesen zu sein, bei dem man vielleicht einschreiten, oder zumindest an einer Stelle seine Stimme erheben hätte sollen. Der Applaus verhallt ohne Resonanz und lässt die folgenrichtige Frage im Raum: Darf man applaudieren, auch wenn man selbst Teil eines Geschehens geworden ist, das moralisch mehr als nur zu hinterfragen ist? (European Cultural News)

 

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