Ballett

Die Jahreszeiten

eine Koproduktion mit dem Theater St. Gallen

Ballett von Beate Vollack nach dem gleichnamigen Oratorium von Joseph Haydn


Content

Anders als die meisten Oratorien schildern „Die Jahreszeiten“ kein christliches Thema: Joseph Haydn verleiht den Jahres- und Tageszeiten jenseits einer konkreten Handlung musikalische Atmosphären, seine Musik erzeugt Gefühle und Stimmungen. So wird der Gang durch eine Gemäldegalerie zum Ausgangspunkt dieser tänzerischen Reise durch das Jahr. Vielfältige Bilder aus unterschiedlichen Epochen und Stilen werden durch die Musik und den Tanz zum Leben erweckt. Dem Frühling kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu: Er markiert das Ende von Kälte und Frost, die Rückkehr von Licht und Wärme und gleichzeitig auch die Zeit der Saat, die man im Sommer oder Herbst ernten wird. Der Sommer: mit seiner Hitze womöglich Zeit des absoluten Stillstands. Der Herbst: Zeit der unglaublichen Farben und der aufbrausenden Stürme. Haydn selbst sagte (über den Herbst): „So eine besoffene Fuge habe ich noch nie komponiert.“ Der Winter: die Faszination des Gegensatzes von Kälte und hinreißender Schönheit. Das simple Paradox dabei: Die Jahreszeiten sind immer gleich und zur selben Zeit, doch jedes Jahr anders. Das Wissen um das Gesetz dieser ewigen Wiederholung und gleichzeitig die jährliche Überraschung und Unberechenbarkeit der Natur sind das Faszinosum, das Haydn mit seiner Komposition einfangen und beschreiben wollte – dabei findet er für jede Naturgewalt spektakuläre Farben. Ballettdirektorin Beate Vollack wird mit dem Ballett der Oper Graz „Die Jahreszeiten“ in Tanz übersetzen und in verschiedenen, farbenfrohen und emotionalen Szenen auf die Bühne bringen.

Besetzung

Pressestimmen

Ein Hoch auf die Heiterkeit

„Stimmungsvoll und mitreißend: Mit ‚Die Jahreszeiten‘ trat Beate Vollack als neue Ballettdirektorin der Oper Graz an.
(…) Die drei Vokalsolisten – bei Haydn der alte Bauer Simon (kraftvoll Neven Crnic), seine Tochter Hanne (mädchenhaft Mirella Hagen) und der junge Bauer Lukas (ideal und wortdeutlich Martin Fournier) – nehmen viele Rollen ein. Den Wandel der Stimmungen setzt das 18-köpfige Ballettensemble mit Humor und Eleganz um. (…) Im Sommerprogramm des Museums wird Lukas alsbald von einer Muse im blauen Kleid (anmutig Miki Oliveira) umschwebt. Die Skulptur eines Widders evoziert eine bukolische Situation mit graziösen Schafen, die Sonne lädt zu Strandspaziergang (athletisch Jacqueline Lopez) und Sommergefühl (herausragend Paulio Sóvári) ein. Wenn im Bildnis der Lilith Weiblichkeit triumphiert, ist die Schlange (geheimnisvoll Martina Consoli) nicht weit. Unter Blüten zeigen sich Adam und Eva, bis sie das sonnige Paradies verlassen müssen. Aber der Herbst bringt auch brausenden Most und Wein, um die Lebensfreude zu erhalten. Detailreich wird das trunkene Treiben illustriert, angeführt von einem jugendlichen Bacchus (Enrique Sáez Martinez). Und schon ist wieder Zeit für schneebedeckte Berge, Gedanken über den Winter (nobel Kristín Marja Ómarsdóttir) und romantische Geschichten (charmant Philipp Imbach). Der vergnügliche Spaziergang durch Stile und Epochen an der Hand eines bestens disponierten Ensembles erfreute das Publikum sichtlich. Wird auch nicht die Tiefgründigkeit von Haydns Alterswerk abgerufen und muss man manch frommen Text mit der Bereitschaft zur Ironie hören, sind doch Farben, Stimmung und Heiterkeit ausgesprochen mitreißend.“ (Kleine Zeitung)

 

Tanzende Bilder einer Ausstellung
„Die Grundidee von Vollacks Inszenierung passt perfekt zum Tableau-Charakter der Komposition: Bild für Bild reiht Haydn die Szenen der Jahreszeiten aneinander. Vollack macht daraus Bilder einer Ausstellung, die nicht nur auf Staffagen und in gigantischen Rahmen zu sehen sind, sondern zum Leben erwachen, zu singen und zu tanzen beginnen. Sie bietet der Musik Haydns einen prunkvollen Rahmen. So steht der von Bernhard Schneider großartig einstudierte Opernchor den Großteil des Abends ganz wörtlich im goldenen Rahmen. Und auch in ihren Choreografien macht Vollack mitunter die Partituren Haydns sichtbar, indem sie die Tänzer in Gruppen aufteilt und den einzelnen Stimmlagen oder Instrumenten zuteilt. Als Leitfiguren dienen drei Sänger, die in van Swietens Original-Libretto verzweifelt um Handlung ringen müssen. Vollack befreit Mirella Hagen, Neven Crnic und Martin Fournier aus diesem Korsett und macht sie zum Museumspersonal, das sich lustvoll in die grandiosen Bildwelten von Jon Morrell (Bühne und Kostüme) hineinfantasieren darf. Dort begegnen sie kitschigen Rokoko-Pärchen genauso wie Badenixen in Mondrian-Wäsche, treffen auf russische Arbeiter genauso wie auf VIP-Gäste einer Vernissage und müssen sich mit lästigen Schafen genauso herumschlagen wie mit flüchtigen Schneeflocken. All das (und vieles mehr) verkörpert das Ensemble des Grazer Opernballetts mit präziser Leichtigkeit. Fast ist es ungerecht, aus der famos miteinander tanzenden Einheit Solisten hervorzuheben: Enrique Sáez Martinez glänzt als athletisch-beschwipster Bacchus, Lucie Horná begeistert als Haydns Security und Kristín Marja Ómarsdóttir sorgt als Frau im Winter für einen der wenigen berührenden Momente in den sonst so konsequent in Richtung Komödie schielenden „Jahreszeiten“. Am beeindruckendsten ist diese Produktion aber ohnehin in jenen Momenten, in denen nicht Einzelne glänzen, sondern Tänzer, Chor, Sänger und Orchester zu fließenden Wimmelbildern verschmelzen, an denen sich das Publikum kaum sattsehen kann. Großer Applaus!“ (Kronen Zeitung)

 

 

„Die Jahreszeiten“ – ein immerwährendes (Rollen-) Spiel
„(…)Ein kreatives Konzept, das nicht zuletzt der Vielfalt des musikalischen Parts der Produktion – kraftvoll und feinsinnig geleitet vom stellvertretenden Chefdirigenten Robin Engelen – grundsätzlich entspricht: Dem musikalisch breiten Spektrum der Stile wird auch im Tanz eine Formensprache vom Klassischen bis zu Zeitgenössischem an die Seite gestellt. Dass Vollacks künstlerisches Herz für das Ballett schlägt, ist dabei ausnahmslos erkennbar. Dass es ihr bei den episodenartigen Szenen vor allem um Darstellung von Emotionen und Stimmungen geht, ist ein weiterer, charakteristischer Faktor neben ihrer Intention, mit visuell Schönem Freude zu bereiten; immer wieder auch zusätzlich aufgelockert durch kleine Späße (…) 
Als kreativ sind immer wieder die Bezüge zwischen inhaltlichem Tanz-Geschehen und dem Text des Librettos anzuerkennen sowie als fast ausnahmslos nahtlos gut die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen.
Ein besonders einfallsreiches Feingefühl wird im Zusammenspiel der drei Sänger und der Tänzer bewiesen. Diese enge Vernetzung der Sparten begeistert ausnahmslos und ist neben ihrer konzeptuellen Anlage auch auf das anpassungsfähige, darstellerisch Können der drei Sänger – wandlungsreich bühnenpräsent: Mirella Hagen, in jeder Rolle glaubhaft: Tenor Martin Fournier sowie auch Bass Neven Crnić – zurückzuführen. Ein Können, das sich aber selbstverständlich insbesondere in ihren musikalischen Interpretationen großartig manifestiert. (…)
Der Gelenkigkeit von Martina Consoli  wird in ihrem Schlangensolo  zwar noch nicht ausreichend choreografisch Vielfalt geboten, aber das wird sich in anderen Rollen hoffentlich noch ändern; Lucie Horna hingegen kann als Haydns Security ihre intentionale Kraft einprägsam über die Rampe bringen und die den Grazern schon bekannte Miki Oliveira lässt die Stärke ihrer Grazie als Muse faszinierend spielen.
Mehrfach beeindrucken die Männer mit gekonnter Sprungkraft. Im Speziellen überzeugen Paulio Sóvári als geschmeidiges „Sommergefühl“, vulgo Liebesträumerei, Enrique Sáez Martínez als sinnlicher Macho-Bacchus und Philpp Imbach als überaus bühnenpräsenter Reitersmann. (tanz.at)

Wissenswertes rund um die Produktion

Vorstellungen

Fr 24. Mai 2019
DETAILS
Nachgespräch
21:45 bis ca. 22:45, Galeriefoyer
Sa 15. Jun 2019
DETAILS
Aftershow-Party
22:00 bis ca. 03:00, Studiobühne
€ 9, nur mit einem Besuch des Balletts "Die Jahreszeiten"