Vier Fragen an Kim-Lillian Strebel


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Kim-Lillian Strebel gastiert in der Titelpartie von „Martha“ an der Oper Graz. Mit dem Produktionsdramaturgen Bernd Krispin hat sie sich über den Reiz von englischem Teegebäck, über die „Letzte Rose“ und auch darüber unterhalten, warum es mit ihrem Debut an der Oper Graz solange gedauert hat.

 

Als britisch-schweizerische Sopranistin verkörpern Sie bei Ihrem Debut an der Oper Graz die Titelpartie in Friedrich von Flotows „Martha“. Martha beziehungsweise Lady Harriet Durham ist in der Oper eine Engländerin. Wie viel von England steckt denn in der Figur? Oder ist das nur ein Phantasieengland, das wir zu sehen bekommen?

Die Aufführung ist in England angesiedelt, und Regisseur Peter Lund hat ihr viele englische Züge verliehen und auf kleine Details, die ich so liebe, geachtet. So werden uns beispielsweise Scones und Tee serviert – diese ganz klassische englische Tradition wird auch heute noch gepflegt. Da ich den Großteil meines Lebens in England verbracht habe, spiele ich auch eine sehr britische Lady Harriet, indem ich meine Erfahrungen mit unserer Kultur in die Verhaltensweisen meines Charakters einfließen lasse. Ich möchte in der Darstellung jener Epoche möglichst akkurat sein, und ich möchte zeigen, wie eine Frau der gehobenen Gesellschaft sich damals benommen hat.

 

Die „Letzte Rose“ ist eine der innigsten Nummern in „Martha“ und geht auf ein irisches Volkslied zurück. War Ihnen „The Last Rose of Summer“ schon vorher bekannt?

Ja, und zwar dank Kiri Te Kanawa, die es so hervorragend gesungen hat. Bei ihr habe ich einige Jahre studiert, als ich noch in England gelebt habe.

 

Eigentlich sollten Sie vor vielen, vielen Jahren ins Opernstudio der Oper Graz kommen, doch daraus wurde leider nichts. Umso erfreulicher, dass Sie jetzt endlich in Graz gastieren.

Als ich meine Studien in Schottland beendet hat, bin ich vor sieben oder acht Jahren nach Graz gekommen, um hier mein allererstes Vorsingen zu machen. Man hat mir das Sandmännchen in „Hänsel und Gretel“ angeboten, aber leider gab es für meine Stimme keine weiteren Rollen. So bin ich also Mitglied im Jungen Ensemble der Deutschen Oper Berlin geworden und konnte bedauerlicherweise den Sandmann nicht singen. Umso größer sind also die Ehre und auch die Freude, Jahre später als Martha in Graz zu debutieren.

 

Haben Sie schon Zeit gefunden, hier den einen oder anderen Lieblingsort in Graz zu entdecken?

Da ich seit einigen Wochen schon in Graz bin, habe ich es zwischen den Proben und dem Rollenstudium genossen, etwas von der Stadt zu sehen. Graz ist wirklich malerisch, und die Häuser schauen fast wie Lebkuchenhäusern mit Zuckerglasur aus. Ich liebe das! Ganz ehrlich: Ich habe kein einziges hässliches Gebäude gesehen. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich während der Weihnachtszeit hier war, zu der all die Lichter und Dekorationen die Schönheit der Stadt noch unterstreichen. Ich bin wirklich glücklich, hier zu sein!