Roland Kluttig über „König Roger“ 


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Roland Kluttig ist der musikalische Leiter der Oper „König Roger“, die ab 14. Februar zum ersten Mal in Graz zu erleben ist. Dramaturg Jörg Rieker traf ihn zum Gespräch: 

 

„König Roger“ trägt Züge eines Oratoriums oder eines Mysterienspiels. Was macht das Werk dennoch zu einer großen Oper?

Das Werk vereint tatsächlich Formen des Oratoriums mit der Oper und ist ein Grenzfall. Wenn beispielsweise Strawinskys „Oedipus Rex“ mehr dem Oratorium zugerechnet werden kann, so überwiegt bei Szymanowski doch das Opernhafte. Seine Form ist weniger statisch, eher dramatisch fließend. Die Musik verlangt nach Bildern, wenngleich sicher auch eine konzertante Aufführung eindrucksvoll sein kann. 

 

 

Zwei Männer, die unterschiedliche Ideale vertreten, treffen in dieser Oper aufeinander: Wie arbeitet Szymanowski die spannungsreiche Konstellation zwischen König Roger und dem Hirten heraus?

Schon an den Vortragsbezeichnungen lassen sich die beiden Protagonisten unterscheiden: Helle, weiche Orchesterfarben beim Hirten, in der Instrumentation dominieren Flöten, hohe Streicher, ein flautando Charakter, während bei Roger die tiefen Streicher und Posaunen den Klang dominieren. Man könnte die Musik des Hirten auch als impressionistisch, die Rogers als expressionistisch bezeichnen. 

 

Wie gelingt es Szymanowski, eine eigene musikalische Sprache zu entwickeln? Wie charakterisiert er die Atmosphäre des multikulturellen historischen Siziliens, in dem die Handlung angesiedelt ist?

Trotz all dieser sehr starken und spürbaren Einflüsse ist Szymanowkis Klangsprache unverwechselbar eigenständig und kraftvoll. Ein wesentliches Moment ist die Unvorhersehbarkeit, viele Verläufe entsprechen nicht dem gängigen Muster. Wo Wagner einstündige Akte benötigt, um gewisse Szenen vorzubereiten, genügen Szymanowski 5 Minuten. Ich kann schwer sagen woher diese Stärke rührt, wahrscheinlich tatsächlich in einer romantisch ausgesprochen starken Künstlerpersönlichkeit, die all diese Einflüsse aufsaugt und verarbeitet. 

 

 

Beim Hören von Szymanowskis Musik könnte man glauben, er sei ein Synästhet gewesen, so farbenreich, schillernd und atmosphärisch ist seine Musik.

Auf jeden Fall – anders aber als bei Skrijabin hat seine Musik auch etwas sehr Dynamisches und – bei König Roger – etwas sehr erdiges. Die synästhetischen Momente sind eine wichtige Farbe, die hier vor allem dem Hirten vorbehalten ist.