Ragtime – die Rolle der Sarah 


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Am Beginn des 20. Jahrhunderts tanzen und feiern in Harlem zur Musik von Coalhouse Walker Jr. schwarze Männer und Frauen gegen ihre Sorgen an: Obwohl seine Musik allen und deswegen niemand gehört, gibt mir Coalhouse das Gefühl, dass er einzig und allein für mich spielt. Doch dem ist nicht so, denn mit seinen wunderbaren Händen, seinem Klavierspiel bewegt er nicht nur die Herzen vieler Frauen, sodass ich keinen anderen Ausweg mehr sehe, als ihn wortlos zu verlassen. Unser gemeinsames Kind setze ich im Garten einer wohlhabenden, weißen Familie im New Yorker Vorort New Rochelle aus, in der Hoffnung, dass es meinem kleinen Sohn dort besser ergehen möge. Glücklicherweise kümmert sich die Mutter der Familie um mein Kind. Denn als man mich in der Wäscherei, in der ich arbeite, aufgreift und vor Gericht stellen möchte, nimmt mich diese Frau, die mich doch gar nicht kennt, ohne auch nur einen Augenblick nachzudenken bei sich auf, übernimmt die Verantwortung für uns beide und lässt mich auf dem Dachboden leben. Doch eines Tages findet Coalhouse heraus, wo ich mich aufhalte und klingelt an der Eingangstür. Ich will ihn nicht sehen, nicht ihn und seine Blumen, mit denen er Sonntag für Sonntag, viele Wochen lang, vor der Tür steht und mich zu sprechen wünscht. Irgendwann wird er nicht mehr zurückgewiesen und darf das Wohnzimmer betreten, darf tun, was er am besten kann und womit der alle für sich gewinnt: Klavierspielen. Dem kleinen Sohn der Familie gibt er Klavierunterricht, und Woche um Woche besucht mich Coalhouse, weil er mich für sich zurückgewinnen möchte, weil er sich geändert hat. Als nach fünf Monaten der Vater der Familie von seiner Nordpolexpedition zurückkehrt, ist er erstaunt und befremdet darüber, dass seine Frau eine junge Schwarze mit ihrem Neugeborenen in seinem Haus aufgenommen hat. Dass ich bleiben darf, verdanke ich der Entschiedenheit seiner Frau.

Coalhouse beschäftigt sich mit den Büchern des schwarzen Befreiungskämpfers Booker T. Washington, den er sehr verehrt. Ihm eifert er nach, denn er erhofft sich für unseren gemeinsamen Sohn ein besseres Leben. Und Coalhouses ganzer Stolz ist sein Auto, das er sich leisten kann: ein nagelneuer Ford „Model T“! Als ihm weiße Feuerwehrleute nicht nur den Weg versperren, sondern mich wüst beschimpfen und noch dazu sein Auto beschmutzen und demolieren, geht er zur Polizei, um sie anzuzeigen und einer gerechten Strafe zuzuführen. Doch die Feuerwehrleute sind weiß, Coalhouse ist schwarz, und niemand will für seinen Fall zuständig sein, niemand gibt ihm Recht. Die Situation spitzt sich mehr und mehr zu, und Coalhouse will mich erst heiraten, sobald die Angelegenheit aus der Welt geschafft ist. Da kommt Woodrow T. Wilson, der republikanische Präsidentschaftskandidat, für einen Abend in die Stadt. Ich will diese Chance ergreifen und für Coalhouse eintreten. Ich laufe Wilson entgegen, beginne den Fall vorzutragen. Da verliert einer der Sicherheitsleute die Nerven. Es löst sich ein …