Planung und Verständnis


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Der Komponist José Luis Martínez M. hat Dramaturg Bernd Krispin die Wechselbeziehung zwischen Philosophie und seiner Musik erläutert. Seine Oper „Wurzeln und Höhlen“ wird bei den Opern der Zukunft uraufgeführt. 

 

Neben Ihrem Kompositionsstudium in Ihrer Heimat Mexiko und in Graz haben Sie auch Philosophie studiert. Hat die Philosophie Ihr musikalisches Denken beeinflusst?

 

José Luis Martínez M.  Natürlich. Die philosophische Ausbildung hilft, kritisches Denken zu entwickeln. Und ich glaube, dass mich das in meiner Planung und meinem Verständnis des klanglichen Materials beeinflusst hat. Meine Konzeption der Musik ist normalerweise von der Phänomenologie des Klanges und dem zeitlichen Rahmen eines Musikstücks geleitet. Die Reflexion über den Klang als akustisches Phänomen und dessen Wahrnehmung im Fluss der Zeit sind oftmals die Basis meiner Stücke. Der nächste Schritt ist, wie diese Phänomene von den Musikern, aber auch von den Zuhörern erlebt werden. Wie weit kann ein Zuhörer, gleich Publikum oder Musikern, die Stille, die Leere wahrnehmen? Wie kann eine bestimmte harmonische Konfiguration so anders, abhängig von Instrumentation, Lage, Spektrum, Entwicklung der Geste, usw., klingen? Das sind die Fragen, die ich mir beim Komponieren selbst stelle.