Ein Tanz durch die Gefühlswelt


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Ballettdirektorin Beate Vollack hat die Choreographie in „König Roger“ kreiert und sich mit Produktionsdramaturg Bernd Krispin über ihre Auseinandersetzung mit dem Werk und die Rolle des Tanzes darin unterhalten.

 

Während die Grazer Erstaufführung von „König Roger“ für den Regisseur Holger Müller-Brandes die erste Begegnung mit dem Stück ist, haben Sie „König Roger“ schon einmal choreographiert, und zwar für eine Inszenierung von David Pountney. Was ist das Reizvolle an der erneuten Auseinandersetzung mit dem Werk?

Es ist eine wunderbare Chance für mich, noch tiefer in diese phantastische, facettenreiche und voller Überraschung steckende Partitur einzudringen. Bei meiner ersten Begegnung mit diesem Stück wusste ich schon, dass es unmöglich ist, alles, was Szymanowski in dieser Musik komponiert hat, zu erfassen und herauszuarbeiten. Umso schöner, es nun nochmals und von einer ganz anderen Seite zu hören, betrachten und einen neuen choreographischen Ansatz finden zu dürfen. Und ein ganz besonderer Höhepunkt ist für mich, dass ich es nun mit meiner Kompanie erarbeiten darf. Also mit Tänzern, die mir und meinen Ideen vertrauen und diese auf eine ganz eigene verständnisvolle Art umzusetzen vermögen.

 

Szymanowskis Musik schildert Emotionales, Unausgesprochenes und Unaussprechliches. Setzt hier der Tanz ein, um das Ungesagte körperlich darzustellen und wahrnehmbar zu machen?

Schon beim ersten Hören weiß man, dass Szymanowski die Ebene der Emotionen sehr wichtig war. Es gibt so vieles, das er uns nicht durch Text und Gesang, sondern eben durch seine Musik nahebringt. Dazu gehört auch, dass er einen Tanz für das Gefolge des Hirten komponiert hat. Er hat nicht im klassischen Sinne eine Tanzeinlage komponiert, sondern die reichhaltige und suggestive Gefühlswelt des Hirten in diese etwas orientalische und damit exotisch klingende Musik eingebettet, um damit das Publikum auf eine weitere, ihm wichtige Ebene der Bewegung, Sensibilität und Gefühlswelt mitzunehmen. Es ist wunderbar, dass auch Holger dem Tanz dieses Vertrauen gibt und uns einen wichtigen Platz in seiner Inszenierung überlässt.