Drei Fragen an Lothar Odinius


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Lothar Odinius, der an der Oper Graz als Herzog Guido von Urbino in „Eine Nacht in Venedig“ gastiert, lässt sich momentan von Dramaturg Bernd Krispin die allerschönste Maske für den venezianischen Karneval auswählen. Die Masken-Kollektion des Herzogs ist so groß, dass noch Zeit genug für ein kurzes Gespräch ist.

 

Ihr Repertoire reicht von Monteverdi bis Mozart, von Händel bis Wagner, vom 17. bis ins 21. Jahrhundert. Welcher Platz hat da die Operette? Und was ist ihr besonderer Reiz?

Als ich das Angebot aus Lyon für „Eine Nacht in Venedig“ bekam, habe ich mich riesig gefreut, denn Operette hatte ich bis auf einzelne Arien länger nicht gesungen. Die diebische Freude an der Partie des Herzogs hielt und hält weiter an bei den (Wiederaufnahme-)Proben zu „Eine Nacht in Venedig“, und es zeigt sich wieder einmal, dass die „leichte Muse“ alles andere als leicht auf und über die Bühne zu bringen ist in Hinblick auf Gesang, Schauspiel, Timing und Dialogsprechen. In unserer Produktion sind viele junge und ältere Kollegen mit großem Spaß, aber auch großem Ernst bei der Sache. Ihnen schaue ich jedes Mal mit einem großen Lächeln im Gesicht zu, freue mich auf die herrliche Musik und bin sehr dankbar dabei zu sein.

 

Sie sind der einzige in der Besetzung, der schon in Lyon an der „Nacht in Venedig“ mitgewirkt hat. War das im Laufe der Proben hilfreich, oder ist in Graz, mit den neuen Kollegen, dem neuen Dirigenten, alles anders?

Es war sicher nicht von Nachteil, dass ich die Inszenierung kannte, und diese blieb zum ganz großen Teil auch erhalten. Die neuen Kollegen machen es aber ganz klar zur „Grazer Nacht in Venedig“, weil jeder seine eigene Farbe und Person einbringt, und das finde ich wunderbar. In kürzester Zeit waren wir aufeinander eingespielt, und beide Besetzungen begeistern mich. In Marius Burkert haben wir einen höchst musikalischen und in der Operette sehr erfahrenen Dirigenten, der uns größtmögliche Freiheit lässt, dabei bis zum Schluss immer noch Neues ausprobiert, um dem Stück den letzten Schliff zu geben. Großartig!

 

Die Proben haben im schönen, steirischen Herbst begonnen. Hatten Sie Gelegenheit, etwas von Graz zu sehen, ja gar hinter die eine oder andere Maske der steirischen Landeshauptstadt zu blicken?

Was für ein Glück ich mit dem Wetter hatte! Bald schon stieg ich den Schlossberg hinauf, saß lange mit unserer Regieassistentin Line Kromann im Starcke Haus in der noch immer wärmenden Abendsonne und konnte mich an der Aussicht von dort oben nicht sattsehen. Kulinarisch bin ich bisher sehr verwöhnt worden (sensationell: der Landhauskeller!), die etwas kuriose Stiegenkirche habe ich zufällig am zweiten Tag entdeckt, Ausflüge zum Grünen See, auf den Schöckl und zum Stift Rein machte ich mit meiner Freundin bei herrlichem Herbstwetter. Vielleicht hebt sich in den verbleibenden Probentagen ja noch die eine oder andere Maske; wer weiß … ich bin gespannt!