Drei Fragen an Gisela Zeindlinger


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Die „Norma“-Produktion ist international besetzt, denn die Titelheldin kommt aus Novosibirsk, der Tenor aus Kasachstan. So kamen Sie als Russisch-Dolmetscherin ins Spiel, um zwischen den beiden und der Regisseurin zu übersetzen. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Auftrag?

Schon während des Studiums war es mein Traum, einmal im Kulturbereich – für Theater oder Film – zu arbeiten. So habe ich mich sofort begeistert beworben, als ich die Jobausschreibung der Oper Graz gelesen habe.

 

Als Dolmetsch sind Sie bei allen szenischen Proben dabei, der Regisseurin stets an der Seite. Was ist das Reizvolle an dieser für Sie neuen Situation?

Bisher hab ich hauptsächlich auf Ämtern, der Polizei und im Krankenhaus gedolmetscht. Da muss man darauf achten, sich ausreichend abzugrenzen. In der Oper geht es zwar auch um Leben und Tod, aber am Ende stehen alle wieder auf.

Die Sprache der Regisseurin und des Dirigenten ist sehr bildhaft, voll mit Metaphern und Vergleichen, und mir macht es eine große Freude, diese Bilder von balancierenden Seiltänzern, zerplatzenden Seifenblasen, dem Fels in der Brandung oder dem Crescendo, das nur der Mondschein ist und kein Tsunami, ins Russische zu übertragen. Neben meinen Sprachkenntnissen werden an Florentine Kleppers Seite auch meine Beine gefordert. Sobald sie Irina Churilova (Norma) oder Medet Chotabaev (Pollione) etwas zu sagen hat, läuft sie los auf die Bühne, und als ihre „russische Stimme“ bin ich ihr stets auf den Fersen.

 

Seit mehreren Wochen wird intensiv geprobt, und Sie haben das Theater schon von vielen Seiten gesehen, die ja dem Zuschauer sonst verborgen bleiben. Sind Sie in Ihren Vorstellungen vom Theater bestätigt worden, oder haben wir Sie auch hinter der Bühne überraschen können?

Fasziniert und überrascht bin ich allein schon von dem Gebäude, von dem ich als Besucherin bisher nur einen Bruchteil sah und hinter dem ich nie so viele labyrinthartige Gänge vermutet hätte. Die Probenarbeit bringt auch fast täglich neue Überraschungen, da die Regisseurin immer wieder neue Ideen ausprobiert, und für mich die Kostüme und das Bühnenbild Schritt für Schritt sichtbarer werden. Dass hinter der Bühne viele Menschen am Werk sind, damit habe ich schon gerechnet. Ihre Arbeit und die Abläufe, die dem Publikum verborgen bleiben, sind für mich aber sehr spannend. Die Kreativität und das technische Geschick, mit denen hier gearbeitet wird, finde ich sehr beeindruckend.

Zum ersten Mal darf ich Oper hautnah erleben, und als ich bei der Sitzprobe neben den Solisten saß – der Chor hinter und das Orchester vor mir –, fühlte ich mich, als würde ich in der Musik baden.