4 Fragen an Javier Quislant 


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Aus Spanien ist Javier Quislant nach Graz gekommen, um an der hiesigen Kunstuni Komposition zu studieren. Dem Dramaturgen Bernd Krispin hat er Auskunft gegeben über seine Oper „Mirada antigua“ („Der gealterte Blick“), die am 27. Mai 2018 bei den „Opern der Zukunft – Im Feuer ihres Blutes“ zur Uraufführung kommt.

 

Die literarische Inspiration für Ihre Oper „Mirada antigua“ („Der gealterte Blick“) haben Sie beim großen spanischen Dichter Federico García Lorca gefunden. Worin sehen Sie die Musikalität seiner Dichtung?

Ich spreche lieber von „Interesse“ oder „geistiger Notwendigkeit“ als von „Inspiration“. In Bezug auf den Text entsteht das musikalische Interesse aus der von García Lorca entwickelten Sprachbehandlung: Die Feinheit und Reinheit der Metaphern, die García Lorca entwickelt, um Bewusstseinsräume zu beschreiben, bewirken eine Mimesis zwischen Wort und Klang.

 

Gibt es auch Einflüsse aus dem Film?

Die Entwicklung, der Prozess der Symbiose der Hauptrollen in Ingmar Bergmans Film „Persona“ (1966) sowie die formale Konzeption (durch die wohlbekannte Wiederholungen) im Film „El ángel exterminador“ (1962) von Luis Buñuel haben einen wichtigen Einfluss auf die Konzeption von „Mirada antigua“ gehabt.

 

Welche Bedeutung hat das Surreale?

In der Tat versucht die Erfahrung mit dem Klang in „Mirada antigua“, sich der existentiellen Reflexion, die García Lorca, Bergman und Buñuel präsentieren, anzuschließen. Man könnte sagen, dass es eine gewisse Beziehung mit dem Surrealen gibt.

 

Der Generaltitel des Projekts, in dem Ihr Stück uraufgeführt wird, lautet „Opern der Zukunft“? Wie sehen Sie die Zukunft dieser Gattung?

Es ist immer schwer, auf solche Fragen eine einzige Antwort zu geben. Als Ausgangpunkt könnte ich sagen, dass Oper für mich einen „Raum der Imagination“ bedeutet, in dem sich die Dramaturgie des Wortes, die Inszenierung (das Visuelle) und das musikalische, formale Denken gemeinsam befinden. Dieser „Raum“ ist aber ein unerschöpflicher Raum, denn er entwickelt sich immer noch im Kontext der Zeit. Was heutzutage die „Stimme“ bedeutet, was heutzutage der Unterschied zwischen einem instrumentalen Klang und dem Vokalklang ist und wie die beiden interagieren, das sind die Fragen, die – in Bezug auf unsere Klangrealität – immer noch im Vordergrund stehen.