Content

14.02.2019

Ein Tanz durch die Gefühlswelt

Ballettdirektorin Beate Vollack hat die Choreographie in „König Roger“ kreiert und sich mit Produktionsdramaturg Bernd Krispin über ihre Auseinandersetzung mit dem Werk und die Rolle des Tanzes darin unterhalten.

Ballettdirektorin Beate Vollack hat die Choreographie in „König Roger“ kreiert und sich mit Produktionsdramaturg Bernd Krispin über ihre Auseinandersetzung mit dem Werk und die Rolle des Tanzes darin unterhalten.

 

Während die Grazer Erstaufführung von „König Roger“ für den Regisseur Holger Müller-Brandes die erste Begegnung mit dem Stück ist, haben Sie „König Roger“ schon einmal choreographiert, und zwar für eine Inszenierung von David Pountney. Was ist das Reizvolle an der erneuten Auseinandersetzung mit dem Werk?

Es ist eine wunderbare Chance für mich, noch tiefer in diese phantastische, facettenreiche und voller Überraschung steckende Partitur einzudringen. Bei meiner ersten Begegnung mit diesem Stück wusste ich schon, dass es unmöglich ist, alles, was Szymanowski in dieser Musik komponiert hat, zu erfassen und herauszuarbeiten. Umso schöner, es nun nochmals und von einer ganz anderen Seite zu hören, betrachten und einen neuen choreographischen Ansatz finden zu dürfen. Und ein ganz besonderer Höhepunkt ist für mich, dass ich es nun mit meiner Kompanie erarbeiten darf. Also mit Tänzern, die mir und meinen Ideen vertrauen und diese auf eine ganz eigene verständnisvolle Art umzusetzen vermögen.

 

Szymanowskis Musik schildert Emotionales, Unausgesprochenes und Unaussprechliches. Setzt hier der Tanz ein, um das Ungesagte körperlich darzustellen und wahrnehmbar zu machen?

Schon beim ersten Hören weiß man, dass Szymanowski die Ebene der Emotionen sehr wichtig war. Es gibt so vieles, das er uns nicht durch Text und Gesang, sondern eben durch seine Musik nahebringt. Dazu gehört auch, dass er einen Tanz für das Gefolge des Hirten komponiert hat. Er hat nicht im klassischen Sinne eine Tanzeinlage komponiert, sondern die reichhaltige und suggestive Gefühlswelt des Hirten in diese etwas orientalische und damit exotisch klingende Musik eingebettet, um damit das Publikum auf eine weitere, ihm wichtige Ebene der Bewegung, Sensibilität und Gefühlswelt mitzunehmen. Es ist wunderbar, dass auch Holger dem Tanz dieses Vertrauen gibt und uns einen wichtigen Platz in seiner Inszenierung überlässt.

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
12.02.2019

Kay Stiefermann statt Markus Butter in der Premiere von „König Roger“

Da sich Markus Butter am Ende der Probenzeit von „König Roger“ einer Knieoperation unterziehen musste, übernimmt in den beiden ersten Vorstellungen (14. und 16.2.) Kay Stiefermann die Titelpartie.

Da sich Markus Butter am Ende der Probenzeit von Karol Szymanowskis „König Roger“ einer Knieoperation unterziehen musste, übernimmt in den beiden ersten Vorstellungen (14. und 16. Februar 2019) Kay Stiefermann die Titelpartie. Kay Stiefermann schloss sein Studium bei Kurt Moll mit Auszeichnung ab. Meisterkurse u. a. bei Montserrat Caballé und Hans Hotter rundeten seine Ausbildung ab. Seit seinem ersten Engagement an der Hamburgischen Staatsoper hat er viele große Partien des Bariton-Repertoires gesungen, wie beispielsweise Don Giovanni, Guglielmo und Don Alfonso („Così fan tutte“), Graf Almaviva („Le nozze di Figaro“), Eugen Onegin, Marcello („La Bohème“), Danilo („Die lustige Witwe“) und Eisenstein („Die Fledermaus“). In den letzten Jahren singt er immer häufiger Partien aus dem Deutschen Fach, wie den Holländer, Amfortas („Parsifal“), Kurwenal („Tristan und Isolde“), Simone („Eine florentinische Tragödie“), Gyges („König Kandaules“), Jochanaan („Salome“), Mandryka („Arabella“) und Don Pizarro („Fidelio“). Er gastierte an der Staatsoper Berlin, Komischen Oper Berlin, Deutschen Oper am Rhein, Oper Leipzig, Volksoper Wien, bei den Bayreuther Festspielen, der Ruhrtriennale sowie beim Lincoln Center Festival New York und arbeitete mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Bertrand de Billy, Marc Albrecht, Ulf Schirmer, Kirill Petrenko, Kent Nagano, Hartmut Haenchen und Valery Gergiev. Sein Debut an der Oper Graz gab er 2006 als Zar Peter I. („Zar und Zimmermann“). Zahlreiche Rundfunkproduktionen von WDR und BR sowie CD-Produktionen dokumentieren das breite Repertoire des Baritons. 2016 erschien seine erste Solo-CD („Deutsche Balladen“).

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
11.02.2019

Intendantin Nora Schmid im TV-Portrait 

Nora Schmid ist am Sonntag, 17. Februar 2019, in der TV-Dokumentation „Ich bin hier die Bossin“ zu sehen. 

Nora Schmid, Intendantin der Oper Graz, ist am Sonntag, 17. Februar 2019, in der TV-Dokumentation „Ich bin hier die Bossin“ zu sehen. Sie wird darin neben fünf weiteren österreichischen Frauen in Führungspositionen portraitiert und bei ihrer Arbeit in der Oper Graz begleitet. Zu sehen ist das Portrait am Sonntag, 17. Februar 2019, 23.05 Uhr auf ORF 2. Mehr Informationen finden Sie hier: https://tv.orf.at/program/orf2/20190217/892360401/story 

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
06.02.2019

Die Hauptfigur ist die Liebe

Regisseur Holger Müller-Brandes hat sich mit Dramaturg Bernd Krispin anlässlich der Grazer Erstaufführung von „König Roger“ über das Sinnliche und Ungesagte in Karol Szymanowskis Oper ausgetauscht.

Regisseur Holger Müller-Brandes hat sich mit Produktionsdramaturg Bernd Krispin anlässlich der Grazer Erstaufführung von „König Roger“ über das Sinnliche und Ungesagte in Karol Szymanowskis Oper ausgetauscht.

 

Karol Szymanowskis 1926 uraufgeführte Oper führt uns ins ferne Sizilien des 12. Jahrhunderts, als die Insel vom titelgebenden König Roger II. beherrscht wurde. Was dürfen wir uns erwarten? Etwa ein Historienspektakel?

Ganz früh bereits haben wir uns im Team entschieden, den Konflikt, den die Oper thematisiert, in seiner psychologischen und somit allgemein menschlichen Dimension darzustellen. Wir folgen dabei dem Komponisten, der seinen Protagonisten nur sehr vage am historischen Vorbild orientiert. Überliefert ist jedoch, dass Roger II. seine Macht und den Frieden in seinem Herrschaftsbereich festigte, indem er sehr unterschiedliche kulturelle und religiöse Einflüsse amalgamieren konnte. In der Cappella Palatina, die auch als Schauplatz des ersten Aktes gedacht ist, finden sich beispielsweise griechische, lateinische und arabische Schriftzüge. Das Stück begreift nun meines Erachtens den Herrscher als Symbolfigur für ein modernes Individuum. Und eine zentrale Frage dreht sich dabei um dessen Autonomie und Macht vor dem Hintergrund zerfallender Ideologien und Wertesysteme.

 

Was mag Szymanowski bewogen haben, diesen Stoff zu vertonen? Biographische Beweggründe? Oder das polnische Lebensgefühl seiner Zeit?

Sizilien war ein Sehnsuchtsort für Szymanowski, insbesondere Taormina und die homosexuelle Kultur dort um die letzte Jahrhundertwende hatten ihn in ihren Bann gezogen. Wie in seinem fragmentarisch erhaltenen Roman „Ephebos“ unternimmt der Komponist auch in „Król Roger“ den Versuch, seine schwule Identität künstlerisch zu verarbeiten. Das schlägt sich im Antagonismus von Roger und Hirt und in ihrem großen Duett, welches das Zentrum der Oper im zweiten Akt bildet, unüberhörbar nieder. Allerdings bleibt Szymanowski hier keineswegs im Privaten stecken, sondern er beschreibt die Liebe als den Schauplatz im Persönlichen, wo die Überwindung einer krisenhaften Fixierung gelingen kann. Gleichzeitig wird hier eine Tendenz atmosphärisch aufgegriffen, die nicht nur in Deutschland, sondern in Europa und auch in Polen in der Zwischenkriegszeit in der Luft lag – eine Sehnsucht nach einer Führerfigur, die gleichzeitig politische und emotionale Bedürfnisse befriedigt. Für Deutschland hat zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer dieses Verlangen seiner Generation, die eigene Individualität und die eigene Verantwortung zu übertragen, präzis aus seiner Zeit heraus analysiert. In der Figur des Hirten kommen diese Aspekte zusammen, und auf diese Weise tritt dem König Roger eine ambivalent schillernde Figur entgegen. Sie fordert ihn heraus, ihrer Verführungskraft zu erliegen oder ihren ganz anderen Charakter als ein Gegenüber zu begreifen, das ihm hilft, sein Eigenes besser zu verstehen.

 

Auf der Partitur steht als Titel „König Roger“ und in Klammer daneben „Der Hirt“. Wer also ist denn nun die Hauptfigur?

Die Hauptfigur ist – so scheint mir – die Liebe, die sich zwischen ihnen ereignet und sie in Bewegung versetzt. Nicht nur den König, sondern auch den Hirten. Wie er diese Liebe zeichnet, bringt uns den Komponisten und seine Vision wirklich nahe. Denn interessanterweise schlägt er im Unterschied zur romantischen Weltabgewandtheit, die von Wagner her prägend war, einen viel moderneren Weg ein. Die gleichgeschlechtliche Komponente hilft ihm dabei, diesen tradierten Rahmen zu sprengen und seine Perspektive sinnfällig zu machen – die Oper lässt die Liebe mit all ihren Facetten als eine Kraft erscheinen, die nicht aus der Realität heraus, sondern tief in sie hineinführt und zu konkreten, wirklichen Begegnungen fähig macht.

 

Die äußeren Stationen führen uns in das Innere eines Kirchenraums, in den Hof eines Königspalasts und schließlich in die Ruinen eines antiken Theaters. Das hört sich nach monströsen Theaterbauten an.

Katrin Lea Tag hat Räume entworfen, die nicht illustrieren, sondern die Symbolkraft der Spielorte in ihren Dimensionen zum Ausdruck bringen. Ich finde, mit großartiger Wirkung. Sie laden den Zuschauer ein, sie mit den Charakteren der Oper, aber auch mit den eigenen Empfindungen zu durchwandern.

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN
04.02.2019

Roland Kluttig über „König Roger“ 

Roland Kluttig ist der musikalische Leiter der Oper „König Roger“, die ab 14. Februar zum ersten Mal in Graz zu erleben ist. Dramaturg Jörg Rieker traf ihn zum Gespräch. 

Roland Kluttig ist der musikalische Leiter der Oper „König Roger“, die ab 14. Februar zum ersten Mal in Graz zu erleben ist. Dramaturg Jörg Rieker traf ihn zum Gespräch: 

 

„König Roger“ trägt Züge eines Oratoriums oder eines Mysterienspiels. Was macht das Werk dennoch zu einer großen Oper?

Das Werk vereint tatsächlich Formen des Oratoriums mit der Oper und ist ein Grenzfall. Wenn beispielsweise Strawinskys „Oedipus Rex“ mehr dem Oratorium zugerechnet werden kann, so überwiegt bei Szymanowski doch das Opernhafte. Seine Form ist weniger statisch, eher dramatisch fließend. Die Musik verlangt nach Bildern, wenngleich sicher auch eine konzertante Aufführung eindrucksvoll sein kann. 

 

 

Zwei Männer, die unterschiedliche Ideale vertreten, treffen in dieser Oper aufeinander: Wie arbeitet Szymanowski die spannungsreiche Konstellation zwischen König Roger und dem Hirten heraus?

Schon an den Vortragsbezeichnungen lassen sich die beiden Protagonisten unterscheiden: Helle, weiche Orchesterfarben beim Hirten, in der Instrumentation dominieren Flöten, hohe Streicher, ein flautando Charakter, während bei Roger die tiefen Streicher und Posaunen den Klang dominieren. Man könnte die Musik des Hirten auch als impressionistisch, die Rogers als expressionistisch bezeichnen. 

 

Wie gelingt es Szymanowski, eine eigene musikalische Sprache zu entwickeln? Wie charakterisiert er die Atmosphäre des multikulturellen historischen Siziliens, in dem die Handlung angesiedelt ist?

Trotz all dieser sehr starken und spürbaren Einflüsse ist Szymanowkis Klangsprache unverwechselbar eigenständig und kraftvoll. Ein wesentliches Moment ist die Unvorhersehbarkeit, viele Verläufe entsprechen nicht dem gängigen Muster. Wo Wagner einstündige Akte benötigt, um gewisse Szenen vorzubereiten, genügen Szymanowski 5 Minuten. Ich kann schwer sagen woher diese Stärke rührt, wahrscheinlich tatsächlich in einer romantisch ausgesprochen starken Künstlerpersönlichkeit, die all diese Einflüsse aufsaugt und verarbeitet. 

 

 

Beim Hören von Szymanowskis Musik könnte man glauben, er sei ein Synästhet gewesen, so farbenreich, schillernd und atmosphärisch ist seine Musik.

Auf jeden Fall – anders aber als bei Skrijabin hat seine Musik auch etwas sehr Dynamisches und – bei König Roger – etwas sehr erdiges. Die synästhetischen Momente sind eine wichtige Farbe, die hier vor allem dem Hirten vorbehalten ist. 

> WEITERLESEN
SCHLIESSEN