Der Clown als Schatten

Von Federico Fellini

Es war die Zeit des Nationalsozialismus. Was soll ich meinerseits sagen? Nun, der Clown verkörpert den irrationalen Aspekt des Menschen, die phantastische Kreatur, die Instinktkomponente, das, was in jedem von uns gegen die höhere Ordnung rebelliert. Es ist die Karikatur des Menschen in seinem Aspekt als Tier und als Kind, als Verhöhnter und Verhöhnender. Er ist wahrhaftig der Schatten. Ihn wird es immer geben. Es ist, als fragten wir: Ist der Schatten gestorben? Stirbt der Schatten? Um den Schatten zu töten, bedarf es der Sonne, die senkrecht auf den Kopf scheint. Dann verschwindet der Schatten. Eben: der völlig angestrahlte Mensch hat seine karikaturalen, grotesken difformen Aspekte zum Verschwinden gebracht. Vor einer derart verwirklichten Person hat der Clown – in seinem Aspekt der Buckligkeit – kein Daseinsgrund mehr. Auch dann wäre freilich der Clown nicht verschwunden. Er wäre nur einverleibt. Mit anderen Worten: das Irrationale, das Kindliche, das Instinktive wäre nicht mehr mit dem verformten Blick gesehen, der sie als Deformation erscheinen lässt. Hat sich der heilige Franz von Assisi etwa nicht Gaukler des lieben Gottes genannt! Und Lao Tse sagte: Sobald du dir einen Gedanken herstellst, lache darüber.