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Oper Graz
STÜCKE
Otello

Otello

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Dramma lirico in vier Akten, Libretto von Arrigo Boito
Giuseppe Verdi

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Nächste Vorstellung: 28.03.2015 19:30 bis ca. 22:15


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Scheinbar grenzenlos ist das Glück Otellos, des Mohren, denn er steht nicht nur als General der venezianischen Flotte vor, besiegt die Türken und trotzt selbst den Stürmen der Natur, sondern er darf sich auch der hingebungsvollen und bedingungslosen Liebe seiner Gemahlin Desdemona, die seinetwillen jegliche Konventionen hinter sich gelassen hat, gewiss sein. Einzig der Fähnrich Jago neidet Otello das private und berufliche Glück, und so spinnt er eine perfid-sinistre Intrige. In seinen Fingern werden die Protagonisten zu arglosen Marionetten, die Jagos Ränkespiel nicht durchschauen. Als Otellos Selbstvertrauen vollends zerstört ist, genügt ihm ein simples Taschentuch als untrüglicher Beweis für Desdemonas Untreue. Rasend vor blinder Eifersucht erwürgt er seine vermeintlich schuldig gewordene Gemahlin und tötet sich selbst.

 

Wiederaufnahme: Donnerstag, 12. Februar 2015, 19.30 Uhr
Vorstellungen: 12.2., 8.3. (18.00 Uhr), 28.3., 8.5. und 21.5. 
Beginn jeweils 19.30 Uhr, sofern nicht anders angegeben.


Kritik

"Otello": Packendes Eifersuchtsdrama
Stephen Lawless weiß am Opernhaus Graz atmosphärisch dicht und effektvoll aufzuregen.
Blitze zucken. Wie bei einem Schiff hebt und senkt sich der Bühnenboden. Auch der Plafond fällt immer wieder bedrohlich auf den Chor herab. Eine mannsgroße Christusfigur, die an die Galionsfigur eines Schiffes erinnert, schwingt auf Seilen wild quer über die Bühne und wird erst beim Auftritt vom Titelhelden aufgefangen: Bereits mit der anfänglichen "Sturmszene" aus Giuseppe Verdis "Otello" weiß Stephen Lawless am Opernhaus Graz atmosphärisch dicht und effektvoll aufzuregen.
Und er lässt diesen Christus immer wieder auftauchen: So bei Jagos "Credo", wenn dieser auf die zu Boden geworfene Figur, die jetzt wie Jago eine Narrenkappe trägt, verächtlich mit dem Fuß tritt. Der britische Regisseur zeigt damit die antiklerikale und ironisierende Haltung des Komponisten zur Religion wie auch den Gegensatz von Gut und Böse, von Hell und Dunkel (durch faszinierende Lichtstimmungen) auf. Dabei genügen ihm auf der beinahe leeren Bühne (Frank Philipp Schlößmann), deren Wände und Decke, wie einem alten Gemälde nachempfunden, mit Motiven aus dem "Jüngsten Gericht" bemalt sind, weiße durchscheinende Vorhänge, ein Stuhl und später ein Bett. Seine Inszenierung ist ideenreich, klug und durchdacht, seine Personenführung vital bei den Massenszenen, packend bei den historisch kostümierten Protagonisten. Mit packendem Zugriff weiß auch Johannes Fritzsch die Grazer Philharmoniker zu aufregendem und detailreichen Musizieren zu animieren. Seine recht straffen und manchmal zu unnachgiebigen Tempi bewirken jedoch, dass nicht jede lyrische Phrase ausgiebig ausgekostet werden kann. (...) Gal James ist eine berührende und jugendliche Desdemona. Aufhorchen lassen Taylan Reinhard als Cassio sowie Dshamilja Kaiser als Emilia. Stimmgewaltig vernimmt man den bewegungsfreudigen Chor. Ein gelungener Saisonstart!
(Helmut Christian Mayer, Kurier, 03.10.2011)

Raffinierter Jago, ideale Desdemona in der Grazer Oper
Zu Saisonbeginn wurde Giuseppe Verdis "Otello“"als ein Musikdrama von existenzieller Wucht präsentiert. Regisseur Stephen Lawless erzählt den fatalen Handlungssog packend und hochmusikalisch.

Das nennt man einen geglückten Saisonauftakt, wenn Verdis Meisterwerk ein Haus zu veritablen Höchstleistungen anstacheln kann! Regisseur Stephen Lawless erzählt den fatalen Handlungssog packend und hochmusikalisch, die Personenführung ist feinst modelliert und als atmosphärisch dichtes Kammerspiel gestaltet. Geschickt werden die verschiedenen Bewusstseinsebenen durch Schleier symbolisiert, sowohl die Massenszenen wie auch die intimen Passagen etwa am Beginn des vierten Aktes sind handwerklich hochprofessionell.
Kurz, es könnte eine ideale Otello-Deutung sein, da sie nie in den zeitgeistigen Maschen vordergründiger "Gender"-Psychologie hängen bleibt, sondern die tragischen Wurzeln alles irdischen Seins in dunklem Licht beleuchtet! Wären da nicht zwei empfindliche Störungen, nämlich das grundhässliche, farblich inferiore Einheitsbühnenbild (Fegefeuer?) von Frank Philipp Schlößmann ohne jeden assoziativen Bezug zur Handlung sowie der branchenübliche Fausthieb gegen historische Bildung und guten Geschmack, wenn Jago das Kruzifix anspuckt und die venezianischen Gesandten als Ballett klapprig-seniler Bischöfe dahertaumeln. Schuld an allem ist die Männerbund-Kirche und deren Doppelmoral, dass wir's nur ja alle kapieren! (...) Schließlich eine begeisterte Applauswoge für das Ensemblemitglied Gal James, die, nach freilich noch einigen Stunden Schauspielunterricht, als eine ideale Desdemona anzusehen ist: mühelose Legato-Bögen, souverän gemeisterte Höhen, präzise Textverständlichkeit sowie ganz einfach eine prachtvolle, weiblich-warm timbrierte Stimme, genau so muss es sein!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2011)

 

BESETZUNG:

Musikalische Leitung:  Dirk Kaftan
Inszenierung:  Stephen Lawless
Choreographie:  Lynne  Hockney
Bühnenbild:  Frank Philipp Schlößmann
Kostüme:  Jorge Jara
Licht:  Franck Evin
Dramaturgie:  Bernd Krispin
Chor und Extrachor:  Bernhard Schneider
Singschul':  Andrea Fournier
   
Ein Herold:  István Szecsi Richard Jähnig
Otello, ein Mohr:  Kristian Benedikt
Jago, Fähnrich:  Ivan Inverardi
Desdemona, Otellos Gemahlin:  Gal James
Emilia, Jagos Gemahlin:  Dshamilja Kaiser
Cassio, Hauptmann:  Taylan Reinhard
Roderigo, venezianischer Edelmann:  Manuel von Senden
Lodovico, Gesandter der Republik Venedig:  Umut Tingür Wilfried Zelinka
Montano, Otellos Vorgänger als Gouverneur von Zypern:  Konstantin Sfiris