Ballett

Kontrapunkt.

Auf der anderen Seite von Bach

Ein Ballettabend

Choreographie von Ainara Garcia Navarro und Jörg Weinöhl

Musik von Johann Sebastian Bach


Content

Für die zweite Ballettproduktion in dieser Spielzeit lädt Jörg Weinöhl erstmals eine Gastchoreographin nach Graz ein, die Spanierin Ainara Garcia Navarro, um gemeinsam mit ihr – als choreographischen Kontrapunkt zum eigenen Schaffen – einen völlig neuen Abend zu kreieren.

Dabei wird Klavier- und Choralmusik von Johann Sebastian Bach den musikalischen Raum bauen, in dem sich zwei choreographische Stimmen polyphon zu den Gegensätzen und Unstimmigkeiten unserer menschlichen Wahrnehmung ausdrücken. Einsamkeit und Reizüberflutung, Dunkelheit und Licht, Schlafen und Wachen, Nähe und Entfernung, Traurigkeit und Trost sind hier Beispiele für die Ambivalenzen in unserer Welt, die gleichzeitig in ihrem Widerspruch und ihrer Spiegelung aneinander auch eine Einheit bilden.

Ainara Garcia Navarro und Jörg Weinöhl werden gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern verschiedenste Perspektiven zueinander, zum Raum und zur Musik ausloten und in das Geheimnis von Raum, Klang und Bewegung eintauchen.

 

Achtung!
Die kostenlose Stückeinführung findet 30 Minuten vor Beginn im
Spiegelfoyer statt.

 

 

Nachgespräch

Fr 28. Apr 2017

Galeriefoyer

Besetzung

Pressestimmen

„Stellenweise verknüpfen Navarro und Weinöhl ihre choreografischen Sprachen, Zwischentitel wie ‚Seele’ und später ‚Zuversicht’ deuten auf ein Umgehen mit der Existenzialität des fühlenden und denkenden Menschen hin. Was sich so komplex aus vielen Quellen herausgefiltert liest, läuft auf der Bühne wie ein sorgsam eingekleidetes Ganzes ab. Das von Ausstatterin Saskia Rettig entworfene skulpturale Objekt, das zweimal auf der Bühne zu finden ist, scheint der Dürer-Vorlage Melencolia I, die Rieker als Inspiration erwähnt, entnommen.“ (tanznetz.de)

 

„Eine genaue, bis in die kleinste Regung differenzierte Serie von Soli, Duetten und Ensembleszenen, in denen Musik und Stimmung Anlass sind, den Menschen tanzend zu machen. Sich aufbäumend, lustvoll, in sich gekehrt. In den Abschnitten, die Navarro verantwortet, scheint der Bewegungsfluss vorrangig, in Weinöhls Szenen eine stark beredte Auseinandersetzung mit der Vielfalt an und Differenzierung von Bewegungsqualitäten, die auch inhaltliche Interpretationen zulassen. Die Tänzerinnen und Tänzer tragen schwarzblaue Hosen und Oberteile, Kleider, Sakkos. Eine „Vanitas“-Tänzerin in einer Gewandung, deren Zeichnung auf den Knochenmann anspielt, hat rare Auftritte. Insgesamt wirken die Szenen, die sehr bewusst mit Stille dazwischen, mit Licht (von Bernd Purkrabek) inszeniert sind, aufgrund der Qualität (unterstützt durch Ballettmeisterin Jaione Zabala) und dem ganz ohne Pathos aber mit großer Bewusstheit und Respekt auftretenden Ensembles. […] Den unmittelbaren Anlass für diese Lebensdurchleuchtung, welche diese Produktion suggeriert, gibt der finnische Pianist Pauli Matias Jämsä, der wie das gesamte Team anhaltend vom Publikum beklatscht wurde.“ (tanznetz.de)

 

„Die Choreografien von Ainara Garcia Navarro und  Jörg Weinöhl sind bestens aufeinander abgestimmt, spielen gekonnt mit dem für Bach prägenden Mittel der Variation: Bewegungsmuster tauchen immer wieder auf, werden in Alternativen gespiegelt, sind mal als Solo, mal in der Gruppe zu sehen. Auch die Kostüme von Saskia Rettig sind ein smartes Spiel mit einem schwarzblauen Grund-Design, das in Variationen an allen Tänzern zu sehen ist. Was Garcia Navarro und Weinöhl verbindet, ist, dass sie nicht auf große Effekte, sondern auf dezente Durchschlagskraft setzen. Gemeinsam mit den Tänzern erschaffen sie ein komplexes Beziehungsgeflecht rund um das Werk von Bach. (Kornenzeitung)

 

„Raum aus Musik und Energie […] Pianist Pauli Matias Jämsä beginnt das Spiel mit den Goldberg-Variationen. Er spielt klar phrasiert und versonnen und wechselt manchmal das Klavier, und doch bedauert man in Zeiten des Originalklangs, kein zweimanualiges Cembalo zu hören. […] Zu sehen ist edler Contemporary Dance auf der Fußsohle mir klassischer Basis. Weinöhl und Navarro haben jeweils einzelne Stücke gestaltet, mit sehr ähnlicher choreografischer Sprache. Die Movements sind fließend, aber auch, der Musik entsprechend, kontrapunktisch gesetzt. Die Tänzer setzen das famos und in großer Exaktheit um, es entsteht ein eigener Raum aus Musik und Energie. […] es gibt keine geschlechtlichen Zuordnungen. Gleich blieben nur die Farben Schwarz und Blau. […} Insgesamt ist der Abend ein starkes Lebenszeichen für den zeitgenössischen Bühnentanz, von dem sich andere Ballettensembles durchaus etwas abschauen können.“ (Kleine Zeitung)

 

„Auf der musikalischen Seite trug einen ganz wesentlichen Teil zum Gelingen des ergänzenden Zusammenspiels der finnische Pianist Pauli Matias Jämsä bei (zur Zeit Korrepetitor an der Oper Graz). Seine auf der Bühne gespielten Live-Interpretation der von den Choreographen ausgewählten Stücke perlten mit ungewöhnlich klarer Lebendigkeit von den Tasten; und die interpretierten „Goldberg-Variationen“ ließen nachdrücklich fühlbar werden, was Bach im Auftrag des russische Grafen in seiner Komposition, die „sanft und etwas munteren Charakters“ sein sollte, umzusetzen fähig war. Aber auch der Chor der Oper Graz unter Chordirektor Bernhard Schneider überzeugte mit seinen Darbietungen der Choräle.“ (Tanz.at)

 

„Das, was sich zwischen diesen beiden dramaturgischen Polen tut und zwischen den beiden diagonal gesetzten, in Grau gehaltenen Polygonen auf der ansonsten wohltuend schmucklosen, grauen Bühne (Saskia Rettig), wird „räumlich“ zusätzlich kontrapunktisch gehalten vom Ortswechsel der Zuschauer, die nach der Pause im traditionellen Zuschauerraum Platz nehmen; grundsätzlich nicht wirklich notwendig, aber letztlich – wie einige weitere Details dieser Art – doch sehr überzeugend: Erlebt man doch die am Ende des ersten Teils getanzte „Die Kunst der Fuge, BWV 1080“ nun in nahezu identer Choreographie nochmals am Beginn des 2.Teils, aber eben aus gegensätzlicher Perspektive. Zusätzlich ist diese Tanzsequenz die einzige des Abends, die von beiden Choreographen gemeinsam gestaltet wurde (die Interpretation dieser Fuge war übrigens ihr erster gemeinsamer Auftritt als Tänzer beim Ballett am Rhein): eine besonders in sich ruhende, zurückgenommene Passage, die feinfühlig-konzentriert von Barbara Flora und Arthur Haas getanzt wird. Auch wenn etwa die Choreographie Navarros zum „Concerto in d-Moll BWV 974“, besonders gut getanzt von Clara Pascual und Simon van Heddegem, zu den Höhepunkten des Programmes gezählt werden kann, ist vor allem zu sagen, dass ausnahmslos alle mitwirkenden TänzerInnen des Balletts der Oper Graz außergewöhnlich gut disponiert waren: Mit ausdrucksstarker Konzentration und unter engagiertem Einsatz ihres tanztechnischen Potentials konnten sie besonders überzeugen.“ (Tanz.at)

Wissenswertes rund um die Produktion