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Oper Graz
PROGRAMM
La Bohème

La Bohème

Giacomo Puccini

Termine, Besetzung, Tickets

Szenen aus Henri Murgers "La Vie de Bohème" in vier Bildern
Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica

(in italienischer Sprache – mit deutschen Übertiteln)

Nächste Vorstellung: 26.09.2010 18:00 bis ca. 20:15


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Giacomo Puccini kannte Paris nicht, als er sich mit der Komposition seiner 1896 in Turin uraufgeführten Oper »La Bohème« beschäftigte, dennoch konnte der Schauplatz authentischer nicht sein. Lag es an der Vorlage, dem Genrebild »Scènes de la Vie de Boheme« Henri Murgers, oder an seinem untrüglichen Gespür für Atmosphärisches, Puccini gewahrt mit dieser Oper einen zeitlosen Blick auf das, was man sich unter »französischer Bohème« vorstellt. Die ergreifende Geschichte der Stickerin Mimi und des Schriftstellers Rodolfo, die dem Zuschauer von Anbeginn signalisiert, nicht glücklich zu enden, spielt mit dem Anspruch des Schriftstellers Murger, man müsse arm gelebt haben, um sich zu einem veritablen Künstler entwickeln zu können.
Dietmar Pflegerls Inszenierung modelliert Puccinis Figuren liebevoll und mit feinem Gespür für alle Zwischentöne und folgt damit genau dem konzeptionellen Plan des Autorentrios, des Komponisten Puccini und seiner beiden Librettisten Giuseppe Giacosa und Luigi Illica. Denn diesen ging es nicht darum, eine stringente Handlung darzustellen, sondern unzusammenhängende Szenen aus dem Leben der Figuren atmosphärisch dicht zu beleuchten.
Die Aufführung, die schon 2008 an der Oper Graz mit großer Begeisterung aufgenommen wurde, beschert ein Wiedersehen mit dem franzosischen Tenor Jean-Francois Borras und ein Graz-Debut der finnischen Sopranistin Marjukka Tepponen.


Musikalische Leitung Johannes Fritzsch I Hendrik Vestmann
Inszenierung Dietmar Pflegerl
Szenische Einstudierung Elisabeth Kassal
Bühne & Kostüme Bernd Dieter Müller | Annette Zepperitz
Chor Bernhard Schneider
Singschul’ Andrea Fournier
Rodolfo Jean-Francois Borras
Schaunard Andrè Schuen
Marcello Ivan Oreščanin
Colline Wilfried Zelinka
Benoît Götz Zemann
Mimì Marjukka Tepponen
Musetta Hyon Lee
Parpignol Manuel von Senden
Alcindoro Konstantin Sfiris

Vorstellungen
26.9. (18.00 Uhr), 30.9., 3.10. (15.30 Uhr, geschlossene Vorstellung), 8.10., 27.10. und 31.10. (18.00 Uhr)
Beginn jeweils 19.30 Uhr, sofern nicht anders angegeben

Pressestimmen

Lebendig und saftig
(...) Die Sache ist stimmig und berührt, auch dank der schlüssigen Personenführung. (...) Alberto Hold-Garrido am Pult der in bester Spiellaune musizierenden Philharmoniker sorgte mit (...9 kräftigem Zugriff für einen saftig-süffigen Puccini-Klang und erwies sich als umsichtiger Leiter des glänzend singenden und spielenden Chors und Extrachors sowie der reizenden Kinder-Singschul'. (...) Adriana Damatos samtig-voluminöser Sopran passte wunderbar zu ihrer Rolle als liebende, leidende Mimi. Arturo Chachón-Cruz(...) begeisterte dann durch die herrlichen Spitzentöne seines lyrischen Spintotenors. (...) Auch die übrigen Rollen waren ausgezeichnet besetzt. Sehr empfehlenswert!
(Dolf Stockhausen, Woche)

"La Bohème" in Graz
(...) Adriana Damato besitzt mit ihrem dunkel timbrierten, über genügend Reserven für dramatische Ausbrüche verfügenden Sopran zwar alle stimmlichen Voraussetzungen für die Mimi, singt aber stets so sehr auf maximalen Effekt bedacht, dass ihr Vortrag mehr Kalkül als Ausdruck vermittelt. Margareta Klobučar wagt sich als temperamentvolle Musetta an eine Grenzpartie, die sie nur mit etlichen stimmlichen Schärfen bewältigt. Carlo Kang führt als Marcello einen markigen und fülligen Bariton ins Treffen, den er aber reichlich undifferenziert einsetzt. (...) Einen Lichtblick beschert hingegen Wilfried Zelinka, der die Mantel-Arie des Colline mit schlichter Eindringlichkeit wirklich in jenem Piano singt, das Puccini vorgeschrieben hat. Ivan Oreščanin und Konstantin Sfiris machen als Schaunard und Alcindoro gute Figur. Manuel von Senden (Parpignol), István Szécsi (Zöllner) und Zoltán Galamb (Sergeant) sind die unverwüstlichen Veteranen der Konwitschny-Inszenierung.
(Ernst Naredi-Rainer, Kleine Zeitung, 16.11.2008)

Edles Rührstück, pittoresk in Szene gesetzt
(...) das Resultat (...) sorgt aber für einen durchwegs bekömmlichen Opernabend. Anders gesagt. man muß das Rad nicht neu erfinden, um voranzukommen und sein gewähltes Ziel zu erreichen. Das Ziel heißt hier Rührung, wobwi der Dirigent einiges dazu beiträgt. Alberto Hold-Garrido dirigiert einen süffigen, volltönenden Puccini, ohne zu schmalzig zu werden. Manches Tempo wirkt überdehnt, mitunter - wie in der Benoît-Szene - mangelt es an rhythmischer Prägnanz, aber das Drama können Hold-Garrido und die Grazer Philharmoniker insgesamt plastisch, schwelgerisch verdeutlichen.
Der Rodolfo von Arturo Chacón-Cruz muss sich zum leisen Singen offenbar ein bisschen zwingen. Dass er die ersten drei Akte über weite Strecken im Einheitsforte bestreitet, stört nur deshalb nicht so sehr, weil er dieses mit strahlenden Spitzentönen zu toppen versteht. Differenzierter gestaltet Adriana Damato die Mimi. Sie ist weniger ein naives Mädchen als eine Frau, die schon manches erlebt hat. Damato singt und spielt eine melancholisch verschattete Frau, welche die finale Katastrophe antizipiert.
Bariton Carlo Kang bietet einen virilen, kräftigen Marcello ohne allzu viele Zwischentöne. Bariton Ivan Oreščanin (Schaunard) und Bass Wilfried Zelinka (Colline), der mit der Mantel-Arie dem Schlussakt ein apartes Zwischenhoch beschert, sind der Beweis, wie gut solche Rollen aus dem Ensemble besetzt werden können. Das Gleiche gilt für Margareta Klobučars kapriziöse Musetta.
(Martin Gasser, Kronen Zeitung, 17.11.2008)




Kritik

Grazer Oper: Knisternde Erotik, riskante Attacke
Umjubelte „Bohème“, Adriana Damato als Mimi hat Weltklasseniveau
.
Zur Feier von Puccinis 150. Geburtstag übernahm man in Graz die „Bohème“-Inszenierung des 2007 verstorbenen Dietmar Pflegerl, dessen Klagenfurter Puccini-Zyklus in den letzten Jahren internationale Beachtung fand. In der szenischen Einstudierung von Michael Eybl beeindruckt noch immer Pflegerls filigrane Balance zwischen ästhetischer Feinsinnigkeit und naturalistischer Erzählkunst, die Welt der vier bettelarmen Künstler ist ebenso lebendig veranschaulicht wie die spontan beklatschte Atmosphäre des Café Momus am Weihnachtsabend oder die eisige Bitterkeit des dritten Aktes. Obwohl keineswegs „geschönt“ und die Pariser Bohème-Atmosphäre bis ins Detail hineinevozierend, sind Bühnenbild (Bernd-Dieter Müller) und Kostüme (Annette Zeppertitz) kein bewusst intendierter „Störfaktor“ wie beim szenischen „Tannhäuser“-Debakel, sondern verstärken die von Komponist und Textdichtern gemeinte Aussage des Werkes. Bei aller Drastik erscheint so die behutsam in die 1920er-Jahre versetzte Geschichte niemals sentimental oder grob realistisch verdoppelt, sondern entwickelt einen eigenen poetischen Ton. Sieht man von einigen „Wacklern“ zwischen Bühne und Orchester in den rhythmisch so heiklen Parlando-Passagen ab, erwies sich Alberto Hold-Garrido als idealer Puccini-Interpret am Pult des exquisit klangschön (wunderbar fein die Klarinetten!) und gelöst aufspielenden Grazer Philharmonischen Orchesters. So entsteht ein spezifischer Puccini-Klang, um den so manches Opernhaus Graz nunmehr beneiden kann. Rodolfo: Strahlende Höhen Vokal wie darstellerisch beeindruckend die Rollengestaltung der drei Künstlerfreunde Rodolfos: Carlo Kang gibt einen sensibel-verletzlichen Marcello, Ivan Oreščanin ist ein nobler Schaunard und Wilfried Zelinka als Colline berührt. Margareta Klobučar, deren silbrig-heller Koloratursopran immer mehr an runder Wärme gewinnt, gelingt eine knisternd erotische Pariser Valse genauso wie eine nuancenreiche Charakterstudie der Musetta. Adriana Damato stellt ihren dunkel timbrierten, zu einem fülligen Mezzo tendierenden Sopran ganz in den Dienst weit ausschwingender Kantilenen und erreicht im Abschiedsduett am Ende des dritten Bildes, dem vokalen Höhepunkt des gesamten Abends, Weltklasseniveau. Zwar sind ausgefeilte Piano-Kultur und Wortdeutlichkeit die Sache des jungen Arturo Chacón-Cruz (noch?) nicht, doch beeindruckt er als Rodolfo mit strahlenden Höhen, virilem Timbre und risikofreudiger Attacke, man fühlt sich frappierend an die Stimme und die vokale Angriffslust des jungen Franco Corelli erinnert! Der bestens disponierte (Extra-)Chor und die entzückende Kinder-Singschul' runden einen höchst gelungenen und ebenso lebhaft akklamierten Opernabend ab.
has ("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2008)

 
Die echte Oper
Hörens-und sehenswerte "La Bohème" in Graz
Angesichts der mit Anna Netrebko und Rolando Villazon ultimativ besetzten Bohème-Verfilmung durch Robert Dornhelm, die soeben in den österreichischen Kinos zu sehen ist, mag es ein wenig anmaßend klingen, wenn man auch Wiener Opernfreaks empfiehlt, sich dieses Puccini-Werk in der seit Samstag in Graz gezeigten Version anzuschauen und vor allem anzuhören.

Denn mit Alberto Hold-Garrido steht ein Neuling am Pult, der das Grazer Philharmonische Orchester von Anfang an zu einer Intensität aufmischt, mit der ein Film, mag er auch noch so makellos besetzt sein, einfach nicht konkurrieren kann. Der gebürtige Spanier, der in Dänemark aufwuchs und von 2003 bis 2005 Musikdirektor der Königlichen Oper war, packt Puccini, fast möchte man sagen, sehr deftig und zu Beginn mit wirbeligen Tempi an, sodass keinerlei unangebrachte sentimentale Weinerlichkeit aufkommen kann.

Dieser feste dirigentische Zugriff passt auch recht gut zur Szene, mit der Dietmar Pflegerl zu posthumen Ehren kommt. Seine Inszenierung, die im Jahr 2003 schon in Klagenfurt zu sehen war, hat Michael Eybl in der Ausstattung von Bernd-Dieter Müller und Annette Zepperitz neu einstudiert. Sie ist auf hochgradige Weise so recht nach dem Herzen des musikdramatischen Normalverbrauchers und ganz dazu angetan, dessen Erwartungen ohne irgendeine Verstörung voll zu befriedigen.

Jubelnder Erfolg
Vor allem dann, wenn die Szene von einem durchaus zufrieden-stellenden Ensemble bevölkert wird. Im Fall von Arturo Chacón-Cruz, der den Rodolfo sang, war das anfänglich nicht so ganz sicher. Doch ab seinem Sono un Poeta im ersten Akt, hat er stimmlich Tritt gefasst und sich zu tenoraler Hochform freigesungen. In Adriana Damato hatte er eine musikalisch und szenisch gleich kompakte, in ihrer Tongebung geradezu erdige Partnerin. So war der jubelnde Erfolg, mit dem das Publikum diese Produktion willkommen hieß, zu einem wesentlichen Teil schon abgesichert.

Mit Margareta Klobučar als souveräne Musette und Konstantin Sfiris als Alcindor sowie Carlo Kang als Marcello und Wilfried Zelinka als Colline konnte diese gelungene Grazer Premiere noch zusätzlich punkten.
(Peter Vujica/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 11. 2008)

BESETZUNG:

Musikalische Leitung:  Johannes Fritzsch Hendrik Vestmann
Bühne und Kostüme:  Bernd Dieter Müller Annette Zepperitz
   
Rodolfo:  Jean-François Borras
Schaunard:  Andrè Schuen
Marcello:  Ivan Oreščanin
Colline:  Wilfried Zelinka
Benoit:  Götz Zemann
Mimi:  Marjukka Tepponen
Musetta:  Hyon Lee
Parpignol:  Manuel von Senden
Alcindoro:  Konstantin Sfiris
Zöllner:  István Szecsi
Sergeant der Zollwache:  Zoltan Galamb