Nachgefragt bei Tatjana Miyus


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Nachdem Tatjana Miyus als Lisette das Premierenpublikum von „La Rondine“ wahrhaft begeistert hat, hat sie am nächsten Morgen den Dramaturgen Bernd Krispin erahnen lassen, dass es im Leben einer Sopranistin mehr Geheimnisse gibt, als sie selbst Puccini hätte komponieren können.

 

In „La Rondine“ schlüpft das Kammermädchen Lisette in die Garderobe ihrer Herrin Magda, um einen tollen Abend zu erleben. Würden Sie sich auch privat gern mal als jemand anderer ausgeben, um einen unbeschwerten Abend zu verbringen? Oder ist Tatjana Miyus schon aufregend genug?

 

Mit all den Rollen, die ich in den letzten Monaten singen durfte – ob Micaëla in „Carmen“, Susanna in „Susannens Geheimnis“ oder soeben Lisette in „La Rondine“ – habe ich großes Glück gehabt, denn ich musste mir keine Maske anlegen, sondern in all diesen Figuren steckt schon sehr viel von Tatjana Miyus drinnen. Wieviel, das bleibt natürlich mein Geheimnis, denn jede Frau braucht ihre Geheimnisse. Nur so viel möchte ich verraten: Gestern auf der Premierenfeier hat es noch lange gedauert, bis ich mich von der Lisette verabschiedet habe, um dann wieder ganz Tatjana zu werden.

 

Vor einigen Spielzeiten haben Sie als Musetta in „La Bohème“ ein Verhältnis mit Marcello, dem Bariton, gehabt. In „La Rondine“ ist Ihr Bühnenpartner Prunier ein Tenor. Mit welcher Stimmlage lassen sich die schöneren Duette singen?

 

Das kann man eigentlich gar nicht vergleichen. Ein Tenor ist nun einmal ein Tenor! Da kommen Feuer und Leidenschaft zum Klingen und sehr viele Emotionen, die ihre Wirkung nicht verfehlen. Mit einem Bariton ist das etwas ganz anderes, denn da ist nicht nur die Stimmlage tiefer, da sind auch die Gefühle tiefer, und außerdem lässt sich intensiver flirten.

 

In vielen Werken Puccinis sterben die Frauenfiguren, man denke nur an Mimì, Tosca, Madame Butterfly und Schwester Angelica. In „La Rondine“ aber fließt gar kein Blut. Was also macht diese besondere Oper von Puccini so reizvoll?

 

Na, Gott sei Dank wird nicht immer gestorben! Ich glaube nämlich, dass Puccini keine Lust mehr auf den Tod gehabt hat und dass er deswegen diese Partitur geschrieben hat, die nach Leichtigkeit und Walzer duftet. Lisette hat versucht, am Theater unterzukommen, und das war ein Fehler. Aber der Fehler bringt sie nicht um, und das Leben geht weiter.