Drei Fragen an Tatjana Miyus


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Weil es Tatjana Miyus mühelos schafft, in der aktuellen Aufführungsserie der „Carmen“ zwischen Frasquita und Micaëla zu wechseln, hat sie in einer Probenpause auch noch Zeit gefunden, sich mit Bernd Krispin über ihre Karriere und das Besondere an Stefan Herheims Inszenierung zu unterhalten.

 

Anfang 2012 sind Sie nach Graz gekommen, und eine Ihrer ersten Partien an der Oper Graz war damals schon die Frasquita, die Sie jetzt auch in der Wiederaufnahme der „Carmen“ singen. Mittlerweile sind Sie im Ensemble der Oper Graz und ein Publikumsliebling der Grazer. Was hat sich denn in diesen vier Jahren alles getan?

Was sich in diesen vier Jahren ergeben hat, war für eine junge, unerfahrene Sängerin eine Herausforderung, aber zugleich auch ein Glücksfall, denn mein Weg hat mich von der Hochschule direkt auf die große Opernbühne geführt. Erst als Gast, dann im Opernstudio, und mittlerweile bin ich im Ensemble. Mit kleinen Rollen beginnend, konnte ich schrittweise in die größeren Rollen hineinwachsen. Erst Musetta in „La Bohème“, dann Nannetta in „Falstaff“, dann Pamina in der „Zauberflöte“, und jetzt kommt mit der Micaëla eine ganz wichtige Sopran-Partie hinzu. Mit meinen wunderbaren Kollegen auf der Bühne, mit Dirk Kaftan und dem Grazer Philharmonischen Orchester kann ich dieser großen Verantwortung gerecht werden.

 

Wenn Sie in der aktuellen Vorstellungs-Serie abwechselnd Frasquita und Micaëla singen, kann es da vielleicht passieren, dass man die Rollen durcheinanderbringt und eventuell statt der Kollegin einsetzt?

In manchen Proben habe ich sogar manchmal beide Rollen gesungen. Aber es stimmt schon: Aufpassen muss man immer! Vor allem im dritten Akt, da sich die Melodien der beiden sehr ähnlich sind, aber eben nicht gleich sind. Es kommt übrigens gar nicht so selten vor, dass ein Sänger in einer Oper zwei unterschiedliche Rollen singt, man denke nur an Don Giovanni und Leporello.

 

Letzte Saison hatten Sie in Stefan Herheims Inszenierung des „Xerxes“ großen Erfolg, und nun kommt seine „Carmen“-Inszenierung wieder. Was ist das Besondere an seiner Arbeitsweise?

Stefan Herheim ist ein ausgezeichneter Musikkenner und ein phantasievoller Regisseur. Ihm verdanke ich aber mehr als nur diese drei schönen Rollen, denn es waren seine aufmunternden Worte vor vier Jahren bei der allerersten Probe als Frasquita, die mich in meiner Entscheidung, am Theater arbeiten zu wollen, bestätigt haben. In seiner Probenarbeit gibt es keine halben Sachen, denn man muss immer mit der allerhöchsten Hingabe arbeiten, weil er das facettenreiche Bild seiner Figuren schauspielerisch aus der Musik heraus entwickelt. Eine solche Arbeit ist anspruchsvoll, aber davon möchte ich gerne noch sehr viel mehr machen.