Drei Fragen an Irina Churilova


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Für uns ist Nowosibirsk ein Ort in exotischer Ferne. Wie sind Sie zur Oper gekommen?

Ich singe schon seit meiner frühen Kindheit. Meine Mutter sagt, ich habe schon gesungen, bevor ich zu sprechen begann. Nach der Schule hat mich meine Musiklehrerin zu einem Vorsingen zu einer Solistin der Nowosibirsker Oper gebracht, und diese sagte mir, dass ich unbedingt am Konservatorium Operngesang studieren sollte, obwohl ich an die Abteilung für Jazz- und Populärmusik gedacht hatte. Meine Eltern wiederum bereiteten mich für ein Wirtschafts-Studium vor, ich besuchte sogar spezielle Kurse dafür. Aber bei der Aufnahmeprüfung an der Wirtschaftsuniversität habe ich verstanden, dass es für mich ohne Gesang nicht geht, und ich bin einfach wieder gegangen, ohne die Prüfung zu machen. Ich lernte dann am Musik-College und nach vier Jahren begann ich am Konservatorium. 2008, im vierten Studienjahr, wurde ich in die Nowosibirsker Oper eingeladen und sofort als führende Solistin aufgenommen. 2012 wurde ich ans Mariinski-Theater eingeladen, um Valery Gergiev vorzusingen. Seither arbeiten wir zusammen, was ein unfassbares Glück für mich ist. 2014 wurde ich ins Bolschoi-Theater eingeladen, und Tugan Sokhiev holte mich für die Mitarbeit an seinem ersten Projekt als Chefdirigent.

 

Welche Rolle spielt Oper in Russland?

Ich denke, dass die Oper in Russland gerade einen neuen Aufschwung erlebt. Man kann ein zunehmendes Interesse dafür wahrnehmen, und zwar sowohl bei den Musikern und Regisseuren, aber auch beim Publikum. Dieser Prozess hat eben erst begonnen, und man muss abwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt. Aber die Anzahl der Vorstellungen steigt, das Publikum veranstaltet Treffen für Opernliebhaber, verschiedene Bildungsprojekte werden durchgeführt, und es werden neue Opernhäuser gebaut – dieser Prozess hat erst begonnen, aber er ist merklich zu spüren.

 

Und wie kam es zum Engagement als Norma an der Oper Graz?

Im Oktober 2015 wurde ich zu einem Vorsingen nach Graz eingeladen. Sieben oder acht Sopranistinnen gab es, alle sangen „Casta diva“, und ich sang als allerletzte. Ich bin sehr oft in verschiedenen Theatern zum Vorsingen, aber das Opernhaus in Graz hat mich mit der unglaublichen Schönheit des Zuschauerraums, mit der überwältigenden Akustik und seiner phantastischen Energie sofort beeindruckt. Ich wollte unbedingt in diesem Theater auftreten … und ich habe den Vertrag bekommen!

Graz ist eine wunderschöne Stadt, wie aus einem Märchentraum, rundum bemalt wie eine alte Schatulle. Es ist so sonnig und die Leute hier lächeln viel. Da kann man sich nur rundum wohlfühlen.