Drei Fragen an Christiane Lutz


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Nach mehrjähriger Pause kehrt „Carmen“ in der bildkräftigen Inszenierung von Stefan Herheim auf den Spielplan der Oper Graz zurück. Die szenische Einstudierung obliegt Christiane Lutz, die diese Produktion von Anbeginn an betreut hat. Mit ihr hat sich Bernd Krispin in einer Probenpause unterhalten.

 

Mit der „Carmen“ in der Inszenierung von Stefan Herheim haben Sie einst im Sommer 2006 Ihren Einstand als Regieassistentin und Abendspielleiterin der Oper Graz gegeben. Können Sie sich noch an Ihre ersten Eindrücke von Graz und seiner Oper erinnern?

Klar, und wie ich mich erinnere! Ich war fasziniert von Stefans Arbeit und den Möglichkeiten dieses Hauses. Ich dachte mir: „Wahnsinn, und da arbeitest du jetzt!“ Ich war im absoluten Theaterglück.

 

Stefan Herheims Probenarbeit ist von großer Akribie und Detailgenauigkeit geprägt. Wie hilfreich ist das, wenn die vier Hauptpartien Carmen, Don José, Escamillo und Micaëla komplett neu besetzt sind?

Man möchte meinen, eine so minutiös gearbeitete Produktion lässt sich doch unmöglich neu einstudieren. Dabei ist es gerade die Genauigkeit der Inszenierung, die ungemein hilft. Denn so vielschichtig Stefan Herheims Inszenierung auch ist, so dicht ist auch das Netz jeder Szene gewebt. Es gibt zwar Unmengen an Details, doch nie zufällig – jede Rolle ist ein Charakter, der seiner Geschichte und innerer Logik folgt. Es ist faszinierend! Dabei muss man bei neuen Sängern natürlich abwägen, worauf es wirklich ankommt: Da helfen Bilder, die Herheim während den Proben gewählt hat, oft mehr, um seinen Intentionen auf die Spur zu kommen, als exakt reproduzierte Gestenabfolgen.

 

Mittlerweile sind Sie mit Ihren eigenen Inszenierungen in Deutschland und Österreich erfolgreich. Welche Klavierauszüge liegen denn momentan zur Vorbereitung auf Ihrem Schreibtisch?

 

Drei großartige Werke: „Lohengrin“, Gian Carlo Menottis „The Consul“ und „Wozzeck“ von Alban Berg. Wer könnte glücklicher sein? Ganz unten wird noch ein Rossini erdrückt, aber der hat noch etwas Zeit und muss sich im Stapel erst noch nach oben arbeiten.